Was sind Trials?

Das Trial, für interessierte Laien kurz erklärt

Durch die in der ABCD e.V. veranstalteten Trials (Hütehund-Wettbewerbe) sollen die Arbeitseigenschaften von Koppelgebrauchshunden geprüft werden. Diese Art der Wettbewerbe, deren einzelne Aufgaben die tägliche Arbeit am Vieh widerspiegeln, ist ursprünglich in Großbritannien entstanden und findet in dieser Form heute weltweit Anwendung. Die folgenden, sehr kurzen Beschreibungen über das grundlegende System der Trials sollen dem Besucher helfen, den Ablauf eines solchen Wettbewerbs zu verstehen.

Die einzelnen Aufgaben variieren in den Klassen:
Klasse 1: Anfänger
Klasse 2: Fortgeschrittene
Klasse 3: Offene Klasse

Für jeden Durchlauf ist eine Zeitbegrenzung gesetzt.

Die Parcoursgestaltung eines Trials richtet sich nach dem jeweiligen Gelände. Der Lauf ist in unterschiedliche Aufgaben unterteilt, für die bestimmte Punktzahlen erreicht werden können.

Diese Aufgaben sind bei einem klassischen Trial:

  • Suchlauf zum Einholen der Schafe aus einer gewissen Distanz (Outrun),
  • Übernahme und In-Bewegung-Setzen der Schafe (Lift),
  • Bringen der Schafe zum Hundeführer (Fetch),
  • Treiben: Wegtreiben, Quertreiben, Bringen (Drive),
  • Abtrennen von 2 Schafen (Shed),
  • Einpferchen (Pen),
  • Abtrennen eines Schafes (Single).

Der Lauf beginnt mit dem Outrun des Hundes und geht fließend zum Lift und Fetch über. Der Hund sollte die Schafe vom ersten Augenblick an, wenn er sie in Bewegung bringt, unter Kontrolle haben: streng, aber ohne sie zu ängstigen. Diese Methode der ruhigen, souveränen Arbeitsweise ist dem Border Collie eigen, dem einen mehr, dem anderen weniger, und der Zuschauer wird sehr bald herausfinden, welcher Hund die Gabe besitzt, Ruhe und Sicherheit auf die Schafe zu übertragen.

Bei einem klassischen Parcours erfolgt das Treiben in Dreiecksform. Der Hund treibt die Schafe zunächst um Hundeführer (im Folgenden „Handler“ genannt) und Startpfosten herum, danach weg vom Handler in Richtung eines Tores. Damit beginnt der Drive. Nachdem die Schafe auf gerader Linie das Tor passiert haben, kippt der Hund die Schafe auf ein Quertreiben, das durch ein zweites Tor führt. Schließlich bringt der Hund die Schafe in die Mitte eines markierten Ringes (Durchmesser ca. 36 m), der sich in der Nähe des Startpfostens befindet.

Wenn sich die Schafe gut treiben lassen und sie die Hindernisse des Parcours erfolgreich passieren, heißt das nicht unbedingt, dass die volle Punktzahl angerechnet wird. Dies hängt davon ab, ob von einem Hindernis zum anderen eine gerade Linie gewahrt wurde. Ein Abweichen von dieser geraden Linie wird mit Punktabzug bestraft. Die Schafe sollen in ruhiger, gleichmäßiger Weise über den Parcours getrieben werden. Anhalten oder Fortlaufen sowie zu hastige oder schlampige Arbeit des Hundes kosten Punkte.

Shed, Pen und Single sind Aufgaben in der Naharbeit und daher echte Teamarbeit von Mensch und Hund. Die Arbeit sollte so ruhig wie möglich erfolgen.

Unbedingter Gehorsam und gute Ausbildung sind für präzise Arbeit auf dem Parcours notwendig. Das Missachten von Befehlen oder ein übermäßiges Korrigieren durch den Hundeführer sind unerwünscht.

Der Richter muss während des ganzen Laufs alles in Betracht ziehen, z.B. das Verhalten der Schafe und ihre Reaktionen auf das Umfeld. Er muss die Schafe, den Hund und das Verhalten des Handlers beurteilen und erkennen, wem Fehler anzulasten sind. Dabei entscheidet er über die Höhe des Punktabzugs oder ggf. über die Disqualifikation eines Hundes.

Parcoursaufgaben – beschrieben für die Klasse 3

Der Handler stellt sich mit seinem Hund an den dafür bestimmten Pfosten. Wenn die Schafe bereit stehen, schickt er seinen Hund rechts oder links im großen Bogen hinter die Schafe. Der Outrun des Hundes soll birnenförmig sein, mit genug Abstand, um weit hinter die Schafe zu kommen, ohne sie zu beunruhigen. Der Hund soll die Situation so unter Kontrolle haben, dass er das Weglaufen der Schafe, zum Beispiel in Richtung Auslass-Pferch, verhindert.

Punkte werden abgezogen, wenn der Hund zu eng hinter den Schafen ankommt oder geradewegs auf sie zuläuft, und auch, wenn der Bogen zu spät beendet wird. Beginnt der Hund seinen Outrun z.B. auf der linken Seite und kreuzt dann vor den Schafen auf die rechte Seite, gilt auch das als schwerer Fehler. Der perfekte Outrun bedarf nur eines Kommandos. Wird der Hund durch zusätzliche Befehle dirigiert, werden Punkte abgezogen. Das Gleiche gilt auch für ein zu frühes Anhalten des Hundes. Ein Vorbeilaufen an den Schafen und ein mehrfaches Zurückbefehlen bedeuten ebenfalls Punktabzüge.
Ist der Hund einmal losgelaufen, darf er weder zum Handler zurück gerufen werden noch selbstständig zurück kommen. Dies führt zu einer Disqualifikation.

Ist der Hund in gutem Abstand direkt hinter den Schafen angekommen, verlangsamt er sein Tempo, verharrt dort stehend oder liegend und gibt damit den Schafen Gelegenheit, seine Gegenwart wahrzunehmen. Bei genügend Abstand kann das durch ruhiges Tempo fließend geschehen. Dann geht der Hund unbeirrt und in gleichmäßig ruhigem Tempo auf die Schafe zu, damit sie sich langsam in möglichst gerader Linie zum ersten Hindernis hin bewegen. Der erste Kontakt zwischen Hund und Schafen ist entscheidend wichtig. Schafe sind Fluchttiere, die – einmal erschreckt – sich schwer wieder beruhigen. Der ganze Lauf kann durch zu rasches Annähern des Hundes an die Schafe verdorben werden.

Ein zu langsamer, zögernder, oder auch ein zu abrupter Lift sowie zu viele Aufforderungen, die Schafe in Bewegung zu setzen, werden vom Richter durch Punktabzug bestraft. Ebenso wird bewertet, ob und inwieweit die Schafe in die gewünschte Richtung loslaufen.

Der Hund soll die Schafe in gemäßigtem Tempo auf einer möglichst geraden Linie durch das Fetchgate zum Handler bringen. Die Breite dieser Linie entspricht den Innenmaßen des Fetchgates (ca. 6,50 m).

Jede Abweichung von der geraden Linie beim Bringen, jedes abtrünnige Schaf, das den Durchgang durch das Fetchgate verpasst, bedeuten Punktverluste. Je weiter die Schafe bei dieser Aufgabe von der erwünschten Linie abweichen, umso größer wird der Verlust an Punkten.

Hat der Hund die Schafe zum Handler gebracht, muss er sie möglichst geschlossen und dicht um den Startpfosten herumtreiben („Turn“). Der Handler darf durch geschickte Bewegungen den Hund unterstützen, ohne dabei den Pfosten zu verlassen oder ein Schaf zu berühren. Die Drehrichtung ist dabei abhängig von der Richtung, in die das anschließende Treiben erfolgt. Mindestens die Hälfte der Schafe müssen um den Pfosten herumgeführt werden, sonst ist die Aufgabe nicht erfüllt und muss wiederholt werden.

Der Hund soll die Schafe vom Handler weg zum ersten Treibtor, durch dieses hindurch, quer über den Parcours durch das zweite Treibtor und von dort zur Mitte des Sheddingrings treiben.
Wie beim Fetch sind auch beim Drive gerade Linien gewünscht. Direkt nach den Toren soll jeweils eine knappe, saubere Wendung erfolgen.
Punkte gehen bei Fehlern ähnlich wie beim „Fetch“ verloren.

Die Schafe werden vom letzten Treibtor in die Mitte des markierten Sheddingrings getrieben. Der Handler darf seinen Platz am Pfosten verlassen und in den Sheddingring gehen, sobald das erste Schaf den Ring betreten hat. Für alle nun noch folgenden Aufgaben ist Teamarbeit gefragt. Zunächst muss der Handler mit Hilfe des Hundes eine vorher festgelegte Anzahl Schafe abtrennen.
Hier sind gute Kenntnis über das Verhalten von Schafen und eine klare Körpersprache von Vorteil. Hund und Handler stehen sich dabei gegenüber mit den Schafen in der Mitte. Nachdem der Hundeführer dem Hund durch die Andeutung einer kleinen Lücke gezeigt hat, welche Schafe er abtrennen möchte, ruft er den Hund in die Lücke hinein und lässt ihn die abgetrennten Schafe halten.

Der Hund hat die abgetrennten Schafe eindeutig zu kontrollieren. Damit beweist er seine Fähigkeit, einzelne Tiere von der Herde wegzunehmen und fortzutreiben, wie es auch bei der täglichen Arbeit vorkommt.
Das Trennen geschieht innerhalb des Ringes. Verlassen Tiere während des Trennvorganges den Ring, so müssen sie unverzüglich zurückgeholt werden. Der eigentliche Trennvorgang muss innerhalb des Rings stattfinden.

Punkte werden abgezogen:

– wenn Schafe den Ring verlassen,
– wenn der Handler die Trennung mehr oder weniger alleine vollzieht,
– wenn eine gute Gelegenheit zum Trennen verpasst wird,
– wenn der Hund das Kommando, zwischen die Schafe zu kommen, nicht befolgt,
– wenn er die abgetrennten Schafe nicht kontrollieren kann.

Nach dem Trennen soll der Hund die Schafe Richtung Pferch versammeln und halten, während der Handler zum Pferch geht.

Sobald der Handler den Strick an der Tür des Pferchs (Pen) in die Hand genommen hat, darf er ihn bis zum Abschluss des Einpferchens nicht mehr loslassen.
Er öffnet die Tür und fordert den Hund auf, die Schafe in möglichst gerader Linie zum Pferch zu bringen. Falls der Pen offen (ohne Tür) ist, darf der Handler die gewählte Seite nicht mehr wechseln.
Beim Einpferchen soll der Hund die Hauptarbeit leisten, der Handler darf ihn dabei unterstützen, er darf die Schafe jedoch niemals berühren.
Sind alle Schafe im Pferch, wird die Tür ruhig geschlossen. Schafe dürfen mit der Tür weder geschoben noch berührt werden. Damit ist die Aufgabe erfüllt.

Nachdem die Schafe wieder aus dem Pferch entlassen wurden, muss die Pferchtür wieder geschlossen werden.

Meist findet das Single nach dem Pferchen statt und die Schafe werden zunächst aus dem Pferch zurück in den Sheddingring getrieben. Hierbei geht der Handler zum Ring und überlässt es dem Hund, die Schafe vom Pferch in den Ring zu bringen. Nun muss der Handler mit Hilfe des Hundes ein einzelnes Schaf abtrennen.
Die Vorgehensweise entspricht dem Shedding.
Mit dem Abtrennen und der deutlichen Kontrolle des einzelnen Schafes durch den Hund ist die Aufgabe erfüllt.

Der Lauf ist beendet, wenn alle Aufgaben erfüllt sind oder die Zeit abgelaufen ist. In diesen Fällen behält das Team seine Punkte. Falls der Richter den Lauf vorzeitig durch Abrufen beendet, sind alle Punkte verloren.